Rainer Kriester

Skulpturen und Zeichnungen

Verlängerung der Ausstellung:
bis zum 24. August 2019


Schwarzes Fragment, Sonnenzeichen, 1990, Schwarzer Marmor, 55 x 83 x 23 cm


„Ich bin Realist von Natur aus, aber ich arbeite nicht realistisch.
Ich bin kein Abstrakter, aber ich suche die Abstraktion.“ (R. K.)


Rainer Kriester (1935-2002) zählt zu den profiliertesten Bildhauern des späteren 20. Jahrhunderts. Die Verlagerung des Schwerpunktes seiner Arbeit 1982 nach Castellaro bei Vendone in Ligurien markiert eine Wende in seinem Schaffen. Der expressive, gewaltsame und schmerzhafte Ausdruck der früheren Arbeiten wird sublimiert, die Kraft ist wie nach Innen verlegt, die Aussage ins Zeichenhafte überführt. Die dem Material, dem Kalkstein, dem Marmor, eigenen sinnlichen Qualitäten werden offengelegt. Einen besonderen Stellenwert nehmen die das skulpturale Werk begleitenden Zeichnungen ein.

Seit der ersten großen Ausstellung 1975 im Schoss Charlottenburg, Berlin, zahlreiche Museums-ausstellungen mit begleitenden Publikationen, so 1982 im Wilhelm Lehmbruck Museum in Duisburg, 1985 in der Staatlichen Kunsthalle Berlin und im Museo d’Arte Contemporanea in Genua. 1993-1994 folgt die Wanderausstellung „Scultura-Natura“ über sechs Stationen, 1999 Den Haag, 2000 „Der mediterrane Traum“ im Pergamonmuseum Berlin. 1997 und 2003 erscheinen die Werkverzeichnisse im Hirmer Verlag München. Arbeiten im öffentlichen Raum in Deutschland, Italien, Japan, den USA; in Berlin unter anderem im Bundeskanzleramt.


La porta, 1997, Tusche und Feder auf Papier, 21 x 30 cm

„Die geometrischen Strukturen sind den Köpfen und Stelen Kriesters nicht willkürlich aufgesetzt. Sie sind aus der Natur abgeleitet, sie verweisen auf den Versuch des Menschen, den großen Prozessen der Natur zu antworten, dem Lauf der Sonne, dem Gang der Gestirne. Sie verweisen auf das den Menschen seit Jahrtausenden begleitende Streben, die Gesetzmäßigkeiten der Natur zu erforschen.“ Jeder der steinernen Köpfe Kriesters ist in sich vollständig. Ihm mangelt nichts. Das gleiche gilt für seine Stelen und die Kalendersteine. Sie sind janusköpfig insofern, als sie in unterschiedliche Hemisphären weisen. Die beiden Hemisphären aber sind nichts anderes als Vergangenheit und Zukunft. Die Vergangenheit ist das Prähistorische, Archaische, Mythische, die Zukunft ist die Zeit, für die die Skulpturen gemacht sind, sie umfasst die Dimension, in der sie wirken sollen. (Wieland Schmied)

„Die Arbeit Kriesters an mächtigen Kalksteinblöcken erbrachte eine neue, streng geschlossene Grundform, in die Einkerbungen ein geometrisches Muster stanzen. Diese gekerbten Linien legen eine Struktur über die Köpfe, die sie nachdrücklich objektiviert, als gehörten sie in einen viel weiträumigeren Zusammenhang. Die Kerblinien verweisen auf eine höhere Ordnung, ein Muster fremder Vernunft, das die Köpfe aus ihrem Tagesleiden und Lebenszwängen befreit. Das, was an Kriesters Plastik immer beeindruckte, nämlich das aus der Form gewonnene plastische Gefüge, tritt nun klar aus sich heraus.“ (Jens Christian Jensen)

„Die Skulpturen Kriesters offenbaren seinen Willen, der Wirklichkeit, der Sinnlosigkeit die Hoffnung entgegenzusetzen. Obwohl sie an neolithische Menhire oder Dolmen erinnern, sind sie keine archaischen Symbole, sondern vielmehr Sinnbilder unserer Zeit, Ausdruck von Herausforderung und Stolz. Der beherrschenden Natur setzen sie ihre kraftvolle Präsenz entgegen – Signale oder Embleme.“ Seine ‚Fragmente‘, die in sich vollendet sind, sind nicht als Neigung zu einem Ästhetizismus zu verstehen. Die Figuren, übersetzt in die Metapher, verlieren ihre Körperlichkeit und werden allgemeingültig, ohne je die ursprüngliche Quelle der Imagination zu verleugnen. (Mario De Micheli)


Kalenderstein, 1996, Carrara Marmor, 59 x 15 x 15 cm



Rote Figur, 1988, Roter Kalkstein, 24 x 15 x 15 cm