Nora Schattauer

Sichtbares und Unsichtbares –
Strukturen und Farbklänge

Eröffnung: Mittwoch, den 17. Januar 2018, 19 Uhr
17. Januar bis 1. März 2018


Faser 105, 2017, 30 x 20 cm


Nora Schattauer studierte an der Universität Köln und an der Kunstakademie Münster. Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen unter anderem im Neuen Museum Weserburg, Bremen, im Museum Kunstpalast, Düsseldorf, in der Alfred Erhardt Stiftung, Berlin, der Hamburger Kunsthalle, der Kunstbibliothek Staatliche Museen zu Berlin, im Mai 2018 im Museum Ostwall, Dortmund. Seit 2010 Herausgeberin von monografischen Heften zur zeitgenössischen Zeichnung. Zahlreiche Publikationen; die jüngste, das Künstlerbuch „WorkFlow“, erscheint zur Ausstellung in der Galerie Dittmar.

Nora Schattauer beschäftigt sich mit Formfragen und Bildprozessen, die die herkömmlichen Gattungsgrenzen überschreiten. Zeichnung und Malerei, Linie und Farbe sind darin aufgehoben, aber nicht in herkömmlicher Weise gestalterisches Element, sondern Ergebnis vermittelter, neu erprobter Verfahrensweisen. Die Weite des Ansatzes unterstreicht, dass diese den älteren fotografischen Verfahren verwandt sind (was die Ausstellung in der Berliner Alfred Erhardt Stiftung erklärt).

Die Künstlerin arbeitet mit chemischen Lösungen, mineralischen Salzen und Säuren, die auf das Papier kontrolliert aufgetragen werden, derart, dass ein annähernd regelmäßiges, immer neu variiertes Muster das Grundgerüst bildet. Die Substanzen reagieren mit dem Papier, gehen Verbindungen ein und unterliegen, sich in der Zeit materialisierend, nachträglichen Farbveränderungen. Das Ergebnis ist nicht gänzlich kontrollierbar, Erfahrungswerte erlauben aber viele Möglichkeiten der Steuerung, wobei das Unerwartete seine konstitutive Funktion behält. Strukturierter Aufbau und farbige Erscheinung sind unauflöslich ineinander verwoben, die mikroskopische Formenvielfalt weckt Naturassoziationen, das Pulsieren und Oszillieren Erinnerung an prozessuale Vorgänge.

Alles scheint in leichte Schwingungen versetzt, den Bildern ist jeder Schematismus raster-artigen, seriellen Arbeitens genommen. Die Formenvielfalt und die farblichen Abstufungen, in nie gesehenen Nuancierungen, sind nahezu unbegrenzt. Die Gebilde tauchen auf wie Erscheinungen, flüchtige Evokationen, die, für einen Moment zur Ruhe gekommen, sich wieder entziehen könnten. Die Offenheit, das Veränderungspotential ist quasi den Bildern eingeschrieben. Deshalb konnte die Künstlerin ein Buch zu ihren Arbeiten Stills nennen.

In Werkheften, die oft den Charakter von Künstlerbüchern gewinnen, wie in diesen selbst, werden in einer Art Rechenschaftsbericht das Formenrepertoire für sich und in unterschiedlichen Bezügen und vielfältigster Technik durchgeprobt, auch Beobachtungen zur Natur und Wissenschaftsfragen eingestreut und die Blätter häufig mit Notizen versehen. Neben Skizzen stehen subtile, frei den Seiten anvertraute Zeichnungen und vollgültige Bildlösungen. Die Kunstbibliothek Berlin zeigte 2017 einen größeren Bestand der Hefte (mit Katalog).


Chromviolett 41, 2016, 30 x 20 cm