Lissabon

Fotografien von
Tina Deininger . Gerhard Jaugstetter

27. Juni bis 11. August 2018


A Brasileira II, 1990, Fotografie, 48,5 x 59,5 cm


Der Ausgangspunkt für diese Fotografien war die Beschäftigung mit dem portugiesischen Schriftsteller Fernando Pessoa, der das Wesen und die Geschichte seines Landes, besonders Lissabons und seiner Menschen immer wieder in dichten Bildern beschworen hat. Das forderte die Fotografen Tina Deininger und Gerhard Jaugstetter heraus, auf ihre Weise diesen Spuren nachzugehen. Die Bilder fangen, frei von allem rein Dokumentarischen oder Anekdotischen, Momente ein, die eine Grundstimmung, ein bestimmtes Sentiment spiegeln. Zu der Authentizität, der sich die Fotografen verschrieben haben, gehören auch die verwendeten klassischen fotografischen Verfahren. Es spielt viel Schattiges, Nächtiges hinein, das metaphorisch zu lesen ist und zudem, wörtlich genommen, vor allen inhaltlichen Bezügen eine technische Herausforderung für die Fotografen bedeutete. Fern jeder Inszenierung, aber von großer formaler Sicherheit, verdichten sich die Bilder zu Tableaus von nahezu sinnbildlicher Kraft. Das Lebensgefühl, dem Ausdruck gegeben wird und etwas Zeitloses, eine historische Tiefenschicht anklingen lässt, hält sich frei von jeder Nostalgie.

Das alles ist dem Lissabon nah, wie Pessoa es sah, sich erwanderte und imaginierte und als Projektionsfläche für seine inneren Reisen nahm. Die braungetonten Barytabzüge geben der hier vorherrschenden melancholischen Stimmung Ausdruck. Aber das gegenwärtige Lissabon bleibt in den Fotografien das Thema, es wird nie geleugnet und doch transzendiert. Die Bilder entwickeln in ihrem assoziativen Reichtum eine nur ihnen gegebene Intensität. So wird hier in Bezug auf den literarischen Ausgangspunkt auch die alte Frage berührt, in welchem Verhältnis Sprache und Bild zueinander stehen in ihrer Annäherung an die Wirklichkeit.

Tina Deininger und Gerhard Jaugstetter absolvierten eine Fotografenlehre und arbeiteten in der Werbefotografie. Ab 1990 verschrieben sie sich immer mehr umfangreichen, oft durch Literatur angeregten fotografischen Projekten vorwiegend im spanisch-portugiesischen Sprachraum. Stationen waren neben Lissabon unter anderem Rio de Janeiro, Buenos Aires und die spanischen Regionen, die in mehrere Publikationen dokumentiert sind. Die Werkgruppe „Pessoas Lissabon“ fand größte Beachtung, 1997 erschien dazu ein umfangreicher Band, zahlreiche Ausstellungen folgten, unter anderem im Literaturhaus München. Die Lissabon-Bilder wurden ikonisch, sie begleiteten unzählige Veröffentlichungen zur Kultur und Literatur Portugals, oft als ganze Bildstrecken.



Straßenbahn, 2000, 50 x 70 cm