Musik: Atem der Statuen

Die Textzeichnungen von
Sharka Hyland


Dauer der Ausstellung:
28. April bis 17. Juni 2017


Virginia Woolf, The Voyage Out, 2016, Bleistift auf grundiertem Papier, 28,8 x 40,5 cm


Sharka Hyland: I am interested in how literary language transcends the distinction between the verbal and the visual. Many of the images we remember have no physical exitence. They are evoked by the words of great writers. Our mind creates them as we read. Each image is unique. It is brought into being as we integrate the author’s words into our individual life experience. These complex images exist only in the readers mind; the text is their only material form.
I draw the texts using historically and culturally appropriate typefaces, in a size and format one might encounter while reading a book. The conjured image is the subject of the drawing.
Ekphrasis may generally be translated as ‚description‘. It originally referred to a vivid evocation of an object or a situation. Today the term is used to refer to a verbal representation of visual representation (typically, a poem or a text based on a work of art).
It is sometimes said that a verbal description cannot produce the same impact as a work of visual art. I would argue that the true ambition of ekphrastic writing is to produce a new work of art, one that does not bridge the chasm between word and image but remains poised above it.
In my most recent work, I have been expanding on this concept – a sensory experience mediated by language – by exploring the notion of auditory ekphrasis, of literary language that conveys the effects of music (or sound in general), as well as of silence.


Rilke, Gong, 1914, 2016, Aquarell und Bleistift auf Papier, 28,4 x 35,5 cm

Sabina Tichindeleanu: „Sharka Hyland konfrontiert uns nicht nur mit einer Neuinterpretation von dem, was eine Zeichnung ist, sondern auch mit einer solchen des Erzählerischen. Die meisten von uns bedienen sich irgendeiner Art von Narrativ, wenn sie ein Kunstwerk schaffen oder betrachten. Wenn nun das Narrativ, so wie es ist und unverändert, sogar der Text selbst, das Kunstwerk ist?
Sharka Hyland zeigt mit Graphit ausgeführte Zeichnungen von Textpassagen, die der bedeutenden erzählerischen Literatur oder der Poesie entnommen sind. Sie werden immer in der Originalsprache wiedergegeben. Wir alle verbinden mit einem Kunstwerk eine bildliche Vorstellung. Sharka Hyland fordert diese Erwartung heraus, indem sie uns ein perfektes Bild liefert, welches nur geschrieben ist, das Bild eines Textes. Die Texte, die sie auswählt, sind von hoher visueller Qualität, und wenn sie gelesen werden, wird die Imagination des Lesers (des Betrachters) davon stark berührt. Die Künstlerin gibt uns ein Bild, das des Bildlichen entbehrt; es liegt am Betrachter, dieses in seinem Geist, einzig für sich, zu schaffen oder wieder zu erschaffen.
Unabhängig von den Überlegungen zu diesem sehr ansprechenden Konzept nehmen die Textbilder allein schon durch ihre schöne, makellose zeichnerische Form ein. Für einen Liebhaber einer verhaltenen Kunst haben die Arbeiten eine große ästhetische Ausstrahlung, auch wenn man sie nicht liest. Der wiedergegebene Text selbst, seine Gestalt und Textur, ist rein und berührend in seiner Einfachheit. – Weniges hat mich in der letzten Zeit so angesprochen wie die Zeichnungen von Sharka Hyland.“