Piero Dorazio wurde 1927 in Rom geboren und starb 2005 in Perugia. Er ist einer
der bedeutendsten Maler der zweiten Moderne. 1953 in den USA als Stipendiat
der Havard University. Austausch mit Ad Reinhard, Willem de Kooning, Franz
Kline und Robert Motherwell. Theoretische Fundierung seiner Arbeit 1947 mit
dem Manifest „Forma 1“ und 1955 mit der Veröffentlichung des Buches „La
fantasia dell’arte nella vita moderna“, einem Pionierwerk in Italien. 1959
Teilnahme an der 2. Documenta, bis 1970 Professur an der University of
Pennsylvania. 1960 vertrat er sein Land auf der Biennale in Venedig. 1974
Übersiedlung in ein altes Kloster bei Todi. 1979 große Retrospektive in Paris im
Musée d’Art Moderne. 1988 erneute Einzelpräsentation auf der Biennale in
Venedig. Piero Dorazio geht von der Einsicht aus, dass die bildnerischen Mittel selbst,
ohne Abbildlichkeit und literarische Zumutungen, adäquatere Möglichkeiten
enthalten, der Realität in ihrer Vielfalt und schieren Undarstellbarkeit – deren
Äquivalent die visuelle Überflutung und bildlichen Surrogate sind – zu
entsprechen. Die immer größere Disparatheit und Unanschaulichkeit der Welt
verlangen nach neuen bildnerischen Verfahren. Das Medium für die Annäherung
an die Wirklichkeit ist die Farbe, in der zentralen Phase um 1960 auch das
Schwarzweiß. Die Mittel, Linie, Streifen, sind von einer großen Variationsbreite,
erfahren zugleich eine „Entformung zugunsten der Farbe“ (Gottfried Böhm) und,
wie hinzuzufügen ist, zugunsten der Darstellung von Licht, dem Farbe und
Schwarzweiß gleichermaßen dienen. In den Texturen, ihrer Transparenz und
ihren Modulationen und Rhythmen, in dem Reichtum an Strukturbildungen
manifestiert sich das Licht als Energie. Alles verwandelt sich zu einer lichtvollen
Essenz. Es besteht ein Ausgleich zwischen Bewegung und Ruhe, die rationale
Anlage und frei sich entfaltende Dynamik halten sich die Waage.