Marcel Gähler wurde 1969 in Zürich geboren und lebt und arbeitet
in Winterthur. Er studierte 1990 bis 1996 an der Hochschule der Künste
in Zürich. Studienaufenthalt 2013 an der Cité Internationale des Arts in Paris.
Neben Einzel- und Gruppenausstellungen unter anderem in Basel, Bern,
Boston, Brüssel, Genf, London, New York, Paris, Philadelphia, Zürich treten
Beteiligungen auf den internationalen Messen in Basel, London, Miami,
New York, Paris und Seoul.

Marcel Gähler arbeitet vorrangig im Medium der Zeichnung, der Begriff ist
hier im eigentlichen Sinne zu verstehen, die ganze Anlage der Blätter
wie alle Valeurs sind dem zeichnerischen Strich anvertraut.
Die großformatigen Aquarelle sind ebenfalls in Schwarzweiß angelegt,
die Ausdrucksqualität ist die gleiche, ohne dass das Spezifische
der jeweiligen Technik verloren ginge. Das innovative Vorgehen bezieht sich
auch auf das Verhältnis zur Fotografie und die Art und Weise, wie diese
einer bestimmten Welterfahrung und künstlerischen Anverwandlung
im Medium der Zeichnung dienstbar gemacht wird.

Das aufwendige Verfahren schließt mehrere Zwischenstufen ein, an
deren Ende die Graphitzeichnung steht. Ihr gewinnt der Künstler
außerordentliche Möglichkeiten in der Wiedergabe der, selbst schon
vermittelten, Realität ab, wobei sich die Detailakribie nicht verselbständigt.
Das Kontinuum des dichten Strichgefüges, der Grauwerte und -abstufungen
führt zu einer homogenen bildlichen Erscheinung und konstituiert
eine eigene Bildrealität. Neben die erzählerische Unmittelbarkeit tritt häufig
eine diffuse Atmosphäre, die Gegenstände lösen sich in Licht auf,
entmaterialisieren und verrätseln sich. Die Zeichnungen entziehen sich
dem direkten Zugriff, sie bewahren bei aller Nähe etwas Schwereloses,
Distanziertes, die das Gefühlsmoment und den Erinnerungswert
ausbalancieren. Es bleibt ein Geheimnis dieser Arbeiten, dass ihre Intensität
dadurch eher gesteigert wird.

„Die monochrome Tonigkeit und die besondere Rahmung als schräg
zum Bildträger gestellte Projektionsfläche thematisieren gewissermaßen
den Kernpunkt dessen, was Erinnerung charakterisiert: nämlich Flüchtigkeit
und Vergänglichkeit. Durch die Verjüngung des Bildfeldes entsteht der
Anscheint, dass das Bild sich gleich wieder ablöst und ins Dunkle
entschwindet. Aufgrund der dunklen Rahmung wirkt es so, wie wenn hier
nur ein lichter Moment aus der Finsternis erstrahlt, der gleich weder
von der Dunkelheit verschluckt wird.“ (Kathleen Bühler, Kunstmuseum Bern)