Nora Schattauer studierte an der Universität Köln und an der Kunstakademie Münster.
Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen unter anderem im Neuen Museum Weserburg,
Bremen, im Museum Kunstpalast, Düsseldorf, in der Alfred Erhardt Stiftung, Berlin, der
Hamburger Kunsthalle, der Kunstbibliothek Staatliche Museen zu Berlin, im Mai 2018 im
Museum Ostwall, Dortmund. Seit 2010 Herausgeberin von monografischen Heften zur zeit-
genössischen Zeichnung. Zahlreiche Publikationen; die jüngste, das Künstlerbuch „WorkFlow“,
erscheint zur Ausstellung in der Galerie Dittmar.

Nora Schattauer beschäftigt sich mit Formfragen und Bildprozessen, die die herkömmlichen
Gattungsgrenzen überschreiten. Zeichnung und Malerei, Linie und Farbe sind darin auf-
gehoben, aber nicht in herkömmlicher Weise gestalterisches Element, sondern Ergebnis
vermittelter, neu erprobter Verfahrensweisen. Die Weite des Ansatzes unterstreicht, dass
diese den älteren fotografischen Verfahren verwandt sind (was die Ausstellung in der Berliner
Alfred Erhardt Stiftung erklärt).

Die Künstlerin arbeitet mit chemischen Lösungen, mineralischen Salzen und Säuren, die auf
das Papier kontrolliert aufgetragen werden, derart, dass ein annähernd regelmäßiges, immer
neu variiertes Muster das Grundgerüst bildet. Die Substanzen reagieren mit dem Papier,
gehen Verbindungen ein und unterliegen, sich in der Zeit materialisierend, nachträglichen
Farbveränderungen. Das Ergebnis ist nicht gänzlich kontrollierbar, Erfahrungswerte erlauben
aber viele Möglichkeiten der Steuerung, wobei das Unerwartete seine konstitutive Funktion
behält. Strukturierter Aufbau und farbige Erscheinung sind unauflöslich ineinander verwoben,
die mikroskopische Formenvielfalt weckt Naturassoziationen, das Pulsieren und Oszillieren
Erinnerung an prozessuale Vorgänge.

Alles scheint in leichte Schwingungen versetzt, den Bildern ist jeder Schematismus raster-
artigen, seriellen Arbeitens genommen. Die Formenvielfalt und die farblichen Abstufungen,
in nie gesehenen Nuancierungen, sind nahezu unbegrenzt. Die Gebilde tauchen auf wie
Erscheinungen, flüchtige Evokationen, die, für einen Moment zur Ruhe gekommen, sich wieder
entziehen könnten. Die Offenheit, das Veränderungspotential ist quasi den Bildern eingeschrieben.
Deshalb konnte die Künstlerin ein Buch zu ihren Arbeiten Stills nennen.

In Werkheften, die oft den Charakter von Künstlerbüchern gewinnen, wie in diesen selbst, werden
in einer Art Rechenschaftsbericht das Formenrepertoire für sich und in unter-schiedlichen Bezügen
und vielfältigster Technik durchgeprobt, auch Beobachtungen zur Natur und Wissenschaftsfragen
eingestreut und die Blätter häufig mit Notizen versehen. Neben Skizzen stehen subtile, frei den
Seiten anvertraute Zeichnungen und vollgültige Bildlösungen. Die Kunstbibliothek Berlin zeigte
2017 einen größeren Bestand der Hefte (mit Katalog).