AUSSTELLUNGEN

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Rudolf Englert

6. Juli bis 30. August 2022

Georges Brassens, 1980, Tusche auf Papier, 58 x 43 cm
Ibiza, 1978, Tusche auf Papier, 23 x 32 cm 

Rudolf Englert (1921-1989) entwickelte seit Anfang der sechziger Jahre parallel zu anderen ähnlich gelagerten Bewegungen, wie ZERO, aber weitgehend unabhängig seine Formensprache. Es entstanden in dichter Folge systematisch erarbeitete Werkgruppen vorrangig auf Papier. Die besondere Position Englerts innerhalb der Avantgardeströmungen wurde international von führenden Kunsthistorikern und Museen früh erkannt. In den siebziger Jahren werden die Kompositionen komplexer und bildmäßiger in der Anlage. Der Schriftcharakter wie die Anklänge an musikalische Notationen, die sich früh abzeichneten, treten deutlicher hervor. Auch vor dem Hintergrund der Neubewertung des Bildes, des Mediums Papier in den 1970ern wird die Bedeutung von Rudolf Englert sinnfällig, der an dieser Entwicklung in unterschiedlicher Weise teilhat.

Zur Ausstellung erschien eine Publikation mit 176 Seiten und 127 Abbildungen. Nach einem einleitenden Essay von Prof. Dr. Erich Franz folgt eine detaillierte kommentierte Biographie, die durch den Zugang zum Nachlass des Künstlers und die Auswertung des weitgehend noch nicht erschlossenen Archivmaterials möglich wurde. Sie lässt die Person Englerts deutlicher hervortreten und liefert für seine Arbeit, den innovativen Ansatz sowie den Stellenwert, den man ihm beimaß, vielfältige Hinweise. Den umfangreichen Bildteil mit den wichtigen Werkgruppen gliedern aussagekräftige werkbezogene  Stellungnahmen zum Künstler.

Das Werk zeigt, „daß Englert ein zutiefst engagierter Künstler ist, ein äußerst sensibler Maler, der abseits vom Getöse des organisierten Kunstbetriebes bemüht ist, den Rhythmus der Zeit und des eigenen Daseins sichtbar zu machen. […] Das Resultat solcher ständig neues Terrain erschließender Bemühungen um die Ganzheit von Inhalt und Form sind Bilder, deren Ausdrucksintensität sich dem aufmerksamen Betrachter rasch offenbart. Und fasziniert folgt man dem augenscheinlich einer zwingenden Gesetzmäßigkeit unterworfenen Rhythmus der Linien, Striche und Punkte, die, sich zusammendrängend und wieder voneinander lösend, zu einer lebendigen Ordnung gefügt sind und Auskunft geben über den erregenden Vorgang der von Geist und Gefühl gleichermaßen inspirierten Bildgestaltung.“
Sabine Winter, 1962

Englert „liebt Schwarzweiß, Zeichnung und Graphik. […] Man denkt an die Blätter einer Partitur, und ein musikalisch-rhythmisches Gefühl mag an seinen Arbeiten teilhaben. Aber Zeichnung ist Zeichnung und nicht Musik. Es gibt bei Paul Klee Bilder, die er ‚Pflanzenschrift‘ nennt, in ähnlicher Weise könnte Englert seine Arbeiten betiteln und dabei das Architektonische oder das Musikalische, das Schriftzeichenhafte oder das Vegetative  betonen. Das alles gibt es bei ihm und noch mehr.“ 
Will Grohmann, 1964

„Kann ich schreiben, was ich male? Weiß ich, was ich tue, wenn ich male? Ich male! Ich kann nicht schreiben, was ich male!“
Rudolf Englert, 1967

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