JANNIS KOUNELLIS

JANNIS KOUNELLIS

Biographie

Bilder

Der griechische Künstler Jannis Kounellis (1936 – 2017), der in Rom lebte, war Mitbegründer der Arte Povera-Bewegung, die sich in den sechziger Jahren in Italien formierte. Nach den frühen Schrift- und Ziffernbildern entstehen seit 1960 Werkfolgen als Inszenierung von poetischen existentiellen Situationen unter Einbeziehung ungewöhnlicher Materialien und Alltagsfunden. Die überraschenden Konfrontationen unterwandern die vertrauten Vorstellungen von Kunst; die künstlerische Sprache versteht sich als ein fortzuschreibender Prozess, der einem steten Wandel unterworfen ist. Der Künstler beschäftigt sich mit Geschichte und Mythen, verbindet Antike und Gegenwart, Vergangenheit und utopische Träume. Alles ist gesättigt mit kollektiven Erinnerungen. Die Arbeiten sind szenische Beschwörungen, zusammengesetzt aus Fragmenten der Erinnerung als Zeichen der Vergänglichkeit.

1969 vertreten in der wegweisenden Ausstellung von Harald Szeemann in der Kunsthalle Bern „When Attitudes Become Form“; Teilnahme in Kassel 1972 an der documenta 5 (in der Abteilung „Individuelle Mythologien“) und 1982 an der documenta 7. Eine der bedeutendsten Einzelausstellungen war die von 2007/2008 in der Neuen Nationalgalerie Berlin, zu der eine umfangreiche Publikation erschien.

Ein instruktives Beispiel für Kounellis fortwährendes Suchen nach komplexen Bezügen und Geschichtlichkeit stellt das Thomas-Evangelium dar. Es ist einer der wichtigsten Graphikzyklen des Künstlers, der aus zwölf großformatigen Blättern besteht, herausgegeben von Har-El Printers & Publishers in Jaffa. Der Künstler spürt dem Gehalt und dem Duktus des Textes im zeichenhaften Ausdruck und in der Unmittelbarkeit der einfachen, gleichnishaften Bildsprache nach und fand in der materialartigen Terragraphtechnik das für die lapidare Aussage adäquate künstlerische Mittel.