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Sophia Berg

Erden

17. Januar bis 19. Februar 2026

Formenkatalog, 2025, Graphit auf Bütten, 25,5 x 28,5 cm

Sophia Berg konzentriert sich im Wesentlichen auf die Zeichnung. Dabei versteht sie das Zeichnen nicht nur als Werkzeug zur Darstellung, sondern als ein Tun, das sich auf das Sehen selbst auswirkt. Ihr Material setzt sich zusammen aus dem Gegenstand ihrer Betrachtung, Sand und Erde, und ihren Arbeitsmitteln, Papier, Grafit, Gesteinsmehl, mineralischen Pigmenten. Dass es dabei zur Berührung, aber keiner Gleichsetzung zwischen Thema und Ausführung kommt, gehört zur Vorgehensweise. Sophia Berg untersucht den weiten Begriff Erde, zieht Flussläufe nach und bildet Wüstengebiete ab, in direkter oder indirekter Weise Bezug nehmend auf den menschlichen Umgang mit Erde – etwa mit der Förderung von Braunkohle und Kalkstein, antikem Gartenbau oder der nomadischen Weidewirtschaft. Dabei arbeitet sie auch mit Wissenschaftlern zusammen, wie etwa 2023 im Negev mit dem Dead Sea and Arava Science Center.

In der Ausstellung sind zwei Werkgruppen zu sehen. In den Zeichnungen auf Papier untersucht die Künstlerin Sand und Gestein aus einem Erosionskrater im südlichen Negev. Die Sandrolle II (2023) ist während des Studienaufenthaltes vor Ort entstanden, die Sandrolle III (2024) fertigte sie später im Berliner Atelier an. Eine Serie kleinformatiger Zeichnungen, der Formenkatalog (2025), spielt mit den Möglichkeiten zeichnerischer Darstellung von Sand aus dem Negev. In großen und kleinen Formaten fügen sich die Sandzeichnungen in landkartenähnlichen Kompositionen zusammen. Gemeinsam ermöglichen sie eine Annäherung an eine Landschaft, die durch den Stand der Sonne, durch Wind und Erosion ständig in Bewegung ist. So sind sie fragmentarisch und bruchstückhaft dargestellt, mit präzisem Blick für den Ort und das Material, ohne sich diese anzueignen oder auf eine einzige Perspektive festzulegen.

Die zweite Werkgruppe sind Holztafeln, auf denen in Sgraffitto Strukturen von Gartenerde gezeichnet wurden. Entgegen dem Zeichnen mit Grafit auf Papier werden hier die Lichter aus erdfarbenen Flächen gekratzt und freigelegt, wobei auch Zwischentöne stehen gelassen werden. Die Serie Rekonstruktion eines Gartens. Beit Sahour (2025) zeigt eine Handvoll Erde, die aus dem Garten der Familie Jobran in Betlehem stammt. Sie trägt die Spuren ihres Gebrauchs, ist über lange Zeit kultiviert, bearbeitet und gepflegt worden. Der künstlerische Blick versenkt sich hier in die Kleinteiligkeit der Krümelstruktur und weckt, wenn man so will, ein Interesse an der Tiefendimension der Erde, in der auch unsere menschliche Geschichte einen Anteil hat.

Sophia Berg (*1997) hat Bildende Kunst an der Universität der Künste Berlin und Geschichte an der Freien Universität studiert. Nach einem Auslandsaufenthalt an der Bezalel Academy of Arts and Design Jerusalem schloss sie 2024 ihr Studium als Meisterschülerin bei Prof. Mark Lammert ab.

Am Samstag, den 7. Februar, um 14 Uhr, wird von der Künstlerin die Sandrolle abschnittsweise auf- bzw. eingerollt.