AUSSTELLUNGEN

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Fluchtpunkt Buenos Aires
Horacio Coppola
George Friedman
Max Jacoby

Sammlung Norbert Bunge

18. November 2022 bis 12. Januar 2023

Max Jacoby, Buenos Aires, um 1950, 30,0 x 23,5 cm

George Friedman, Max Jacoby und Horacio Coppola waren Pioniere der Fotografie in Argentinien, die neben anderen oft jüdischen Emigranten mit ihrer modernen Bildauffassung die Nachkriegsfotografie mitprägten. George Friedman, ungarisch-jüdischer Herkunft und 1910 in Miskolc geboren, ging 1927 nach Paris, arbeitete in der Filmindustrie und publizierte für Magazine; 1939 emigrierte er nach Argentinien, wo er 2002 starb. Max Jacoby, 1919 geboren und aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Koblenz stammend, floh 1937 aus Berlin nach Buenos Aires. Er kehrte 1957 nach Berlin zurück, wo er 2009 starb. Horacio Coppola schließlich, 1906 in Buenos Aires geboren, studierte in Berlin am Bauhaus. 1936 musste er mit seiner jüdischen Frau Grete Stern Berlin verlassen und ging zurück nach Buenos Aires. So umfasst diese Ausstellung auch eine Emigrations- und Fluchtgeschichte.

George Friedman war Anfang der fünfziger Jahre Mitbegründer von „La Carpeta de los Diez“ (der Gruppe der Zehn), einer Vereinigung von Fotografen, vorwiegend von Emigranten in Südamerika, die großen Einfluss gewann. Neben seiner bedeutenden Arbeit als freier Fotograf setzte Friedman auf Grund seiner Erfahrung als Kameramann die Sprache des Films in szenischen Inszenierungen um, die in Zeitschriften Verbreitung fanden. Daraus entwickelte er, deren Eindimensionalität hinter sich lassend, für sich stehende Fotografien, dichte, in ihrer Aussage ambivalente und Grunderfahrungen spiegelnde Bildlösungen. Die Ausstellungstätigkeit von Friedman konzentrierte sich vorrangig auf Nord- und Südamerika.

Max Jacoby lernte 1939 in Buenos Aires George Friedman kennen und war über viele Jahre sein Assistent. Auch er schloss sich der avantgardistischen „Gruppe der Zehn“ an. 1956 wurde er Mitglied der Fotogruppe forum, der wiederum auch Horacio Coppola und Grete Stern angehörten. Coppola hatte sich noch am Bauhaus der Fotografie und dem „Neuen Sehen“ zugewandt. In Buenos Aires führte er diese Errungenschaften weiter, wie er andererseits, und das schon seit Ende der zwanziger Jahre in Argentinien und ähnlich wie Friedman, dem Film verpflichtet war. Er gewann hohes Ansehen mit seinem fotografischen Werk über Argentinien und seine Hauptstadt, einer damals weit ausstrahlenden Kulturmetropole. 2015 ehrte das Museum of Modern Art in New York ihn und Grete Stern mit der Ausstellung „From Bauhaus to Buenos Aires“, die ein umfangreicher Katalog begleitete.